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Schulunterricht im Klassenzimmer - ÖDP fordert Abluftanlagen

Kinder, Eltern und Lehrkräfte fühlen sich alleingelassen

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten verkünden jetzt: Ab der 8. Klasse sollen Distanz- und Wechsel-Unterricht möglich sein. Dabei wird die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt, die wechselseitig anwesend sein müssen. Die jeweils andere Gruppe folgt dem Unterricht aus dem Klassenraum per Videokonferenz daheim. Betroffene Lehrkräfte und Eltern stellen jedoch fest, dass manches viel besser organisiert werden könnte.

„Schon im Frühjahr haben Wissenschaft und Politik vor einer zweiten Welle gewarnt. Jetzt ist sie da, doch in den Schulen ist fast alles noch wie im März. Die IT-Infrastruktur ist schlecht, sinnvoller Distanzunterricht ist oft gar nicht möglich. Warum hat niemand in den Ferien Plexiglasscheiben auf den Schulbänken installiert? Warum haben die Kultusminister Präsenzunterricht nicht sicherer gemacht?“ Lucia Fischer, stellvertretende Vorsitzende im Bundesarbeitskreis Frauen in der ÖDP, weiß wovon sie spricht. Sie unterrichtet Informatik an einer städtischen Realschule.

„Ich habe zwei Monate noch zusätzlich als Teamlehrerin an einer staatlichen Schule gearbeitet, um die Kolleginnen und Kollegen dort zu entlasten, wie vom bayerischen Kultusministerium gefordert. 130 km musste ich mit dem Auto zur Arbeit fahren. Nach fünf Wochen hatte ich immer noch keinen Arbeitsvertrag und kein Gehalt. Bis heute wurden nur zwei Abschlagszahlungen überwiesen. Die Situation war so unsicher, dass ich schließlich um einen Auflösungsvertrag gebeten habe. Das ist Bürokratie statt Entlastung der Lehrer.“ Lucia Fischer ist enttäuscht, ihr Engagement wurde nicht gewürdigt. „Ich habe Schulbehörden angeboten, beim Ausbau der IT-Infrastruktur zu helfen. Man hat mir gesagt, Lehrer kümmern sich vor Ort darum. Ich frage mich nur, warum digitaler Unterricht dann ständig an technischen Problemen scheitert.“

Charlotte Schmid sieht die Digitalisierung der Schulen dagegen mit gemischten Gefühlen. Die Beisitzerin im ÖDP-Bundesvorstand hat zwei Schulkinder und warnt vor den Folgen der Corona-Maßnahmen: „Die Gefahr ist groß, dass die Pandemie für eine beschleunigte maßlose Digitalisierung unserer Schulen ausgenutzt wird. Das persönliche Miteinander zwischen Kindern selbst und ihren Lehrern ist nicht zu unterschätzen; der menschliche Kontakt sollte so lange wie möglich aufrechterhalten werden. Sonst wächst eine Generation Kinder mit Kontaktangst auf. Sie werden älter in dem Irrglauben, dass es schlecht ist, sich einem anderen Mensch anzunähern und dass es normal ist, nur digitalen Kontakt mit anderen Menschen zu haben.“

Maßnahmen gegen Corona sind in allen Bundesländern verschieden, sie variieren auch von Schule zu Schule. Oft müssen Kinder und Lehrer sogar im Unterricht Masken tragen. In Mainz hat ein Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts eine denkbar einfache und kostengünstige Abluftanlage erfunden: Ein breiter Schirm über jedem Tisch, verbunden mit je einem Rohr. Diese Rohre enden in einem zentralen Rohr, das durch ein gekipptes Fenster ins Freie führt. Ein Ventilator saugt die Luft an und bläst nachweislich 90 Prozent aller Aerosole nach außen ins Freie. „Diese Konstruktion kostet gerade mal 200,- €. An der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim und der Grundschule in Mainz-Marienborn wurde diese Abluftanlagen bereits installiert. Schließlich kann man damit das Ansteckungsrisiko im Klassenzimmer deutlich verringern, ohne das Klima so sehr zu belasten, wie beim regelmäßigen Stoßlüften. Daher fordern wir solche Anlagen an allen Schulen in Mainz,“ so der ÖDP Generalsekretär Dr. Claudius Moseler.


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